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Kapitelübersicht Die Ursprünge
Die Katastrophe war perfekt, das Festland vom Wasser überspült. Die Sintflut hatte ganze Arbeit geleistet. Der Weltuntergang war vorprogrammiert. In allen Kulturkreisen kennt man solche Geschichten vom menschengemachten Chaos, dem kaum einer entkommen konnte. Auch die biblische Urgeschichte erzählt davon. Aber sie erzählt auch von Noah, der der Flut entronnen war, weil er die Arche hatte. In ihr überstand er das Strafgericht Gottes. Als wieder Land in Sicht war, verließ er sein Rettungsboot und baute einen Altar. Er wollte Gott ein Dankopfer bringen. Denn das war ihm bewusst: Nur ihm verdankt er sein Überleben.Als die Menschheit längst vergessen hatte, dass sie "noch einmal davongekommen" war; hört ein Mann im Rentenalter die Stimme Gottes: Er solle mit Sack und Pack Haus und Hof verlassen. Aus dem kinderlosen Ehepaar würde noch ein gottgefälliges Volk werden. Wo und wie, das würde sich schon zeigen. Der Segen Gottes aber sei ihnen gewiss.
Daraufhin zog Abraham mit Frau und Herden los- Und allemal wenn er auf den mühsamen und fremden Wegen seine Zweifel an der Stimme Gottes überwunden und seine Habe "über den Berg" gebracht hatte, baute er aus Feldsteinen einen Altar und opferte Gott eines seiner besten Tiere. Er wollte ihm für das Geleit und seinen Schutz danken.
Die Verheißung Gottes hatte sich erfüllt. Die Nachkommen Abrahams waren zahlreich und noch immer Nomaden. Sie waren glücklich aus der ägyptischen Sklaverei geflohen und wieder einmal unterwegs ins versprochene Paradies. Aber auf der langen Wanderung durch die Wüste war kein Ziel zu entdecken und kein Ende abzusehen. Der Hunger plagte sie und die Sehnsucht nach dem "gelobten Land" war verdorrt. Lieber satt in der Sklaverei als hungrig in der Freiheit leben! Lieber ein selbsternanntes Idol, an das man seine Träume hängen konnte, als ein wählerischer Gott, der irgendwo oder auch nirgendwo zu greifen war.
Dem tritt Mose entgegen, der das Volk bis jetzt geführt hat. Gott ist unter uns, sagt er. Er wohnt - wie wir auch - in seinem Zelt. Das wandert mit und wird am Rande des Zeltlagers aufgebaut. Dort redet Gott mit Mose. Dort begegnet Mose Gott. Und das Volk erkannte an dem glänzenden Antlitz des Mose, dass er im Zelt der Begegnung in der Nähe Gottes war und beide miteinander verhandelt hatten.
Das Volk Gottes brauchte, wo immer es auch war, den Altar und das Zelt, um Gottes Zuwendung und Nähe gewiss zu sein und ihm Dank sagen zu können. Der Gottesdienst (= Kultus) war ihnen ein wesentlicher Ausdruck ihrer Lebensweise (= Kultur) geworden. In der Kategorie Die Ursprünge finden Sie:
Dieses Begriffslexikon basiert auf dem Buch Kreuz und quer durchs Kirchenschiff von Ernst Scheibe (ISBN 3-374-01709-6).
Die elektronische Verwendung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Evangelischen Verlagsanstalt GmbH, Leipzig.