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Sonnabend, 25. Mai 2013
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Kapitelübersicht    Miteinander singen und beten

Wenn viele etwas gemeinsam tun wollen, ist es gut, sich auf eine bestimmte Ordnung zu einigen. Wenn man dabei auf eine jahrzehntelange und bewährte Form zurückgreifen kann, ist das noch besser.
Für die Feier des Gottesdienstes gibt es ein sehr altes Grundmuster das weltweit verwendet wird. Natürlich gibt es viele landschaftlich, kulturell und sozialgeschichtlich bedingte Varianten und Variationen, aber der Rahmen ist immer der gleiche. Dazu gehören die Lesungen und Auslegungen biblischer Texte, die Feier des heiligen Abendmahles, die Taufe der Taufbewerber, das gemeinsame Gebet, der Lobpreis Gottes, das Bekenntnis zu Jesus Christus, wohl auch die gemeinsam getragenen Nöte und Sorgen. Das alles sind Hilfen, um im Gottesdienst Gott und den Mitchristen auf sinnvolle Weise begegnen zu können. Innerhalb dieses Rahmens bewegen sich auch unsere Gottesdienstordnungen, die in der Regel aus vier Abschnitten bestehen, die üblicherweise zu einer Begegnung gehören:

1. Wir begrüßen uns
Das Glockengeläut hat uns eingeladen. Das Orgelvorspiel stimmt uns auf den Gottesdienst ein: Alle warten auf das, was nun kommt. Der Pfarrer begrüßt uns im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und nennt das Thema des Sonntags.
Wir singen gemeinsam das Eingangslied und fassen unsere Nöte und Sorgen (die uns auch zum Besuch des Gottesdienstes veranlaßt haben) im Kyrie-Ruf zusammen. Dann bedanken wir uns bei Gott mit dem Lobpreis für die Einladung und bitten ihn im Tagesgebet um seine spürbare Nähe, die er uns versprochen hat, und um seinen Segen für diese Begegnung.

2. Wir reden miteinander
Gott hat das erste Wort. Wir hören ihn in den Lesungen zu uns sprechen: In der Epistel werden wir von ihm - durch den Mund der Apostel - ermahnt und unterwiesen. Das Evangelium lädt uns ein, im Vertrauen auf ihn mit Jesus Christus das Leben als Christen von neuem zu wagen. In der Predigt wird der für den jeweiligen Sonntag bestimmte Predigttext ausgelegt: Wir werden damit persönlich angesprochen, unsere Verhältnisse und Probleme, unsere Erfahrungen und Gedanken im kleinen und im großen mit den Augen des Glaubens zu betrachten, zu beurteilen und von neuem "in den Griff zu kriegen".
Auf diesen dreifachen An-Spruch Gottes antworten wir zunächst mit drei Liedern: dem Wochenlied, dem Predigtlied und dem Dankopferlied. Wir bejahen Gottes Botschaft, indem wir uns zu ihm, dem Dreieinigen Gott, bekennen und ihm unser Dankopfer geben, das nach dem Einsammeln auf dem Altar niedergelegt wird.

3. Wir feiern das heilige Abendmahl
Das heilige Abendmahl wird noch nicht in allen Gemeinden an jedem Sonntag gefeiert, obwohl es den Höhepunkt der Begegnung darstellt und dem Gottesdienst seinen eigentlichen Wert verleiht. (Man kann Gottesdienste im Rundfunk und Fernsehen miterleben, indem man sich in die große Schar der Zuhörer einreiht, aber das heilige Abendmahl läßt sich auf diese Weise nichtfeiern!)
"Gastgeber" und "Gäste" begrüßen sich noch einmal, bevor sie gemeinsam an den Tisch des Herrn treten. Mit dem Dreimal-Heilig loben wir Gott und bitten ihn, sein guter Geist möge uns erfüllen, damit wir Jesus Christus als das "Lamm Gottes" erkennen und ehren. Die "Einsetzungsworte" deuten uns Brot und Wein, die wir im heiligen Mahl essen und trinken werden, als Opfergabe für unsere auf uns geladene Schuld. Wer an diesem Mahl teilnimmt, kann die Freundlichkeit Gottes sehen und schmecken.
Zum Empfang des heiligen Abendmahles gehen die Gottesdienstbesucher in kleineren Gruppen an den Altar oder stellen sich im großen Halbkreis davor auf. Die Abendmahlsfeier wird mit einem Lobpreis und einem Dankgebet abgeschlossen.

4. Wir lassen uns senden und segnen
Am Anfang haben wir uns begrüßt, am Ende verabschieden wir uns wieder. Zunächst gedenken wir all derer im Fürbittengebet, die nicht am Gottesdienst teilgenommen haben oder mit denen wir in der kommenden Woche wieder zusammensein werden Wir beten für alle, die unserer Fürbitte bedürfen, weil sie selber keine Kraft zum Beten haben oder unter ihrer seelischen oder körperlichen Last zusammenzubrechen drohen. Unsere Fürbitte beschließen wir mit dem Vaterunser.
Nun wird uns der Friede Gottes zugesagt, mit dem wir in unseren Alltag zurückkehren dürfen. Mit dem Segen Gottes werden wir aus dem Gottesdienst verabschiedet.
Vor dem Auseinandergehen singen wir das Ausgangslied und bleiben danach vielleicht noch eine Weile zum kleinen Schwatz oder ernsthaften Gespräch (oder einem "Kirchenkaffee") zusammen. Dann aber ist diese außergewöhnliche Begegnung wirklich zu Ende und wir freuen uns schon jetzt auf die nächste.
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Dieses Begriffslexikon basiert auf dem Buch Kreuz und quer durchs Kirchenschiff von Ernst Scheibe (ISBN 3-374-01709-6).

Die elektronische Verwendung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Evangelischen Verlagsanstalt GmbH, Leipzig.