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Sonnabend, 2. Juli 2016
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Der erste Landesbischof: D. Ludwig Ihmels

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

1922 wurde in der sächsischen Landeskirche als der ersten lutherischen Kirche Deutschlands das Bischofsamt wieder eingeführt. In der Reformationszeit hatten sich die meisten Bischöfe der Reformation widersetzt, war doch das Bischofsamt damals verbunden mit der Funktion eines Reichsfürsten. Da die Trennung beider Funktionen von der Reformation verlangt wurde, verweigerten sie sich der Reformation. Bischöfliche Aufgaben nahmen in den deutschen lutherischen Kirchen bis zum Ende der Monarchien die (Ober-)Hofprediger wahr. Der letzte sächsische Oberhofprediger war Franz Dibelius, der Onkel des späteren Berliner Bischofs.

Landesbischof Ludwig IhmelsNur schwer konnte sich die sächsische Landessynode 1922 dazu durchringen, dem leitenden Geistlichen den Titel "Bischof" beizulegen, klang das doch vielen als zu "katholisch". Amt und Name entsprechen aber der Bibel, auch war das Bischofsamt im skandinavischen Luthertum erhalten geblieben. Der Name setzte sich letztlich durch; der sächsischen Landeskirche folgten schließlich alle lutherischen Kirchen Deutschlands. Zum Bischof wurde unter drei Kandidaten Ludwig Ihmels gewählt.

Ihmels stammte aus Friesland und wurde 1858 geboren. Nach seiner Studienzeit war er einige Jahre Gemeindepfarrer, dann Direktor des Loccumer Predigerseminars und schließlich Professor für Systematische Theologie, zuerst in Erlangen, seit 1902 in Leipzig. Das sächsische Kultusministerium berief ihn gegen ein Mehrheitsvotum der Fakultät. Ihmels zog Studenten aus fast allen lutherischen Ländern nach Leipzig. Auch als Prediger war er gefragt. Ehrenvolle Berufungen (als Generalsuperintendent nach Aurich, als sächsischer Oberhofprediger) lehnte er ab. Doch der Wahl zum sächsischen Landesbischof verschloß sich der Vierundsechzigjährige nicht. 10 Jahre lang hat er das Amt ausgeübt.

Daneben war er Vorsitzender der Allgemeinen Evangelisch-Lutherischen Konferenz, aus der 1923 der Lutherische Weltkonvent hervorging, die erste weltweite Sammlung lutherischer Kirchen. Mit dem Amerikaner Morehead übernahm er dessen Leitung. Auf der Stockholmer Weltkirchenkonferenz für Praktisches Christentum 1925 war er neben dem schwedischen Erzbischof Söderblom die führende Gestalt des Luthertums.

Eine ganze Theologengeneration hat Ihmels geprägt. Ausgehend von dem, was er von seinem Lehrer H. H. R. Frank in Erlangen und von seiner Arbeit als Gemeindepfarrer in Friesland gelernt hatte, aber auch im Unterschied zu Frank, betonte er: Theologie soll die wissenschaftliche Form der Lehre von der christlichen Glaubensgewißheit sein.

Erkenntnisprinzip der Dogmatik ist nicht das gläubige Bewußtsein des einzelnen Christen, sondern die Offenbarung Gottes in der Geschichte und das davon Zeugnis gebende Gotteswort in der Hl. Schrift. Es gilt, was Gott in Jesus Christus geoffenbart hat, so wie es in der Heiligen Schrift steht. Damit erfüllte er ganz den Grundsatz lutherischer Theologie, daß allein das in der Kirche gelten kann, was in der Bibel steht. Wichtig war ihm, was die lutherischen Bekenntnisschriften als Zentrum der Heiligen Schrift hervorhoben, daß Gottes Wort uns als Gottes fordernder Wille (Gesetz) und als rettende, frohmachende Botschaft (Evangelium) begegnet. Glaubensgewißheit entsteht allein da, wo wir auf Gottes Offenbarung vertrauen. Sie hat ihre Grundlage im Objektiven, nicht im Subjektiven. "Wir wollen uns in der Dogmatik nicht von unseren Erfahrungen unterhalten, sondern Gottes Offenbarung soll uns von ihr selbst recht reden lehren. Die Theologie wird Offenbarungstheologie sein oder sie wird aufhören zu sein." Diese Erkenntnis hat er in seinem mehrfach aufgelegten Buch "Die christliche Wahrheitsgewißheit, ihr letzter Grund und ihre Entstehung" dargelegt. Daneben hat das Buch "Zentralfragen der Dogmatik" seinerzeit erhebliche Bedeutung gehabt. Für die Gewißheit unseres Heils reicht also das Gefühl einer Bekehrung und Wiedergeburt nicht. Unseren Christenstand trägt allein: "Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut". Von Luther hat er es gelernt, daß das Gesetz seine Arbeit an uns tun muß, damit wir unsere Sünde erkennen, denn die Gnade in Christus wird nur von einem geäng-stigten Gewissen ergriffen. Die evangelisch-lutherischen Bekenntnisse (einschließlich der Konkordienformel) waren ihm "nicht nur ein Stück toter Dogmatik", sondern der Versuch, "die der Reformation neugeschenkte Erkenntnis sicherzustellen".

Wichtig blieb ihm, die Botschaft von der Glaubensgewißheit auch den Gemeinden zu verkündigen. Am Kriegsbeginn 1914 widersprach er der weitverbreiteten Anschauung, Gott sei ein "deutscher Gott": Es ist "ein Irrwahn, als wäre Gott gerade unseres Volkes Gott"; er rief die Gemeinde auf, sie solle nur ja Gott nicht verlassen. Seine klare Haltung prägte die Leipziger Fakultät so, daß sie 1933 nicht der vom Nationalsozialismus bestimmten Bewegung der "Deutschen Christen" verfiel, der es gelang, das Kirchenregiment in Sachsen an sich zu reißen.

Als Bischof hat er den Vikaren zwei Sätze ans Herz gelegt: "Lassen Sie die Predigt das Hauptstück Ihres Amtes sein, weil da die Entscheidungsschlachten geschlagen werden" und "Nun, meine Herren, habe ich noch eine persönliche Bitte: Werden Sie Beter! Hinter das Geheimnis des göttlichen Wortes kommt man nicht mit Lexikon und Grammatik, sondern am Ende nur auf den Knien."

Nach 1945 konnte an das durch Landesbischof Ihmels vermittelte Erbe angeknüpft werden. Die deutschen lutherischen Kirchen verbanden sich zur Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. Aus dem noch ziemlich unverbindlichen Lutherischen Weltkonvent wurde der Lutherische Weltbund. Dessen Lutherischer Weltdienst erfüllt die Forderung von Ihmels, Verantwortung für Notleidende unabhängig von deren Glauben wahrzunehmen. Aus der Allgemeinen Evangelisch-Lutherischen Konferenz wurde das Lutherische Einigungswerk, das Lutheraner aus den lutherischen Landeskirchen mit denen aus den unierten Landeskirchen und aus den lutherischen Freikirchen zusammenführt.

Wenige Monate nach der Machtergreifung Hitlers, am 1. Juni 1933, starb Ihmels in Dresden.

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957