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Sonnabend, 25. Mai 2013
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Georg der Bärtige

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Unter allen Fürsten, die sich gegen die Reformation stellten, ist Georg wohl der heftigste und zugleich erfolgloseste gewesen.
Geboren 1471, übernahm er als der Ältere von zwei Brüdern 1500 von seinem Vater, Albrecht dem Beherzten, in Dresden die Regierung im albertinischen Herzogtum Sachsen. Seine Mutter war Sidonia, die Tochter des im päpstlichen Bann gestorbenen böhmischen König Georg Podiebrad. Von daher war er zeitlebens darauf bedacht, nur ja keine ketzerischen Bewegungen in seinem Herrschaftsgebiet aufkommen zu lassen. Luther könnte er ein erstes Mal begegnet ein, als dieser 1518 auf einer Visitationsreise im Dienst seines Mönchsordens auch das Dresdner Kloster besuchte und von Georgs Hofprediger Hieronymus Emser zu einem Abendessen eingeladen und dabei ausgehorcht worden war. Jedenfalls war Georg zugegen, als Luther bei der Leipziger Disputation erklärte, einige der Lehren von Hus seien ganz christlich und evangelisch gewesen. Da platzte Georg laut mit dem Fluch heraus: "Das walt die Sucht!"
Von diesem Tage an war Luther für Georg ein erklärter Ketzer, von diesem Tage an hat er auch alle, die in den Verdacht gerieten, reformatorisch gesinnt zu sein, verfolgt. Scheiterhaufen haben zwar im albertinischen Sachsen nicht gebrannt, aber mit Kerker und Landesausweisung hat er - letztlich erfolglos - alle "Lutheraner" verfolgt. Freilich hat er es sich dabei nicht leicht gemacht. Als ein rechtlich denkender und frommer Fürst reformierte er die Kirche seines Herzogtums, vor allem die Klöster, weil der Meißner Bischof trotz Georgs Aufforderung diese Aufgabe nicht wahrnahm. Von seinen Theologen ließ er zahlreiche Schriften gegen Luther verfassen. Jahrelang setzte er sich dafür ein, daß der Meißner Bischof aus der Zeit des Investiturstreites Benno heiliggesprochen wurde. Dies erreichte er auch 1523, doch erregte das mehr Spott als Anerkennung selbst bei seinen Untertanen. Was auch Georg unternahm, er bekam im Herzogtum keine Ruhe mehr, vor allem in Leipzig nicht. Mehrfach erschienen hier Spottschriften gegen altgläubige Theologen, vermutlich von Studenten verfaßt. Auch die Bannandrohungsbulle gegen Luther erreichte nicht ihr Ziel, die Menschen gegen die Reformation einzunehmen. Bereits 1521 verkündigte in Glashütte der Prediger Seidel das Evangelium. Er wurde gefangen genommen, predigte aber, wieder frei gekommen, dann in Döbeln. Prediger, die sich gegen die Reformation wandten, stießen dagegen weithin auf Ablehnung und Spott. Von Aufsässigkeit der Mönche, von Klosterflucht, von Abendmahlsfeiern unter beiderlei Gestalt, vom Brechen der Fastengebote usw. wird vielfach berichtet. Manche Adlige nahmen ihre reformatorisch gesinnten Prediger auch gegen den Herzog in Schutz. Und an den Grenzen des Herzogtums gingen zahlreiche Leute in kurfürstliches Gebiet zum Gottesdienst, als diese dort in reformatorischer Form gehalten wurden. 105 Leipziger baten 1524 offiziell um die Anstellung eines reformatorischen Predigers. Ihr Anliegen wurde natürlich abgelehnt, aber es zeigt, wie stark die Reformation schon Fuß gefaßt hatte. 1532 verwies Georg vierzehn Leipziger, die einen reformatorischen Gottesdienst im Kurfürstentum besucht hatten, des Landes.
Auch über sein Herrschaftsgebiet hinaus versuchte Georg, gegen die Reformation vorzugehen. Er schloß sich dementsprechend auch dem Dessauer Fürstenbündnis gegen die reformatorisch gesinnten Fürsten an.
Seine Söhne starben alle vor ihrem Vater. Der letzte war geisteskrank. Um zu verhindern, daß die Herrschaft an seinen sich inzwischen zur Reformation bekennenden Bruder Heinrich ging, ließ er ihn trotzdem heiraten, doch blieb die Ehe kinderlos. Seine Tochter Christine hatte er Landgraf Philipp von Hessen zur Frau gegeben. Bald mußte er erfahren, daß auch Philipp sich zur Reformation bekannte. Die Hoffnung, Christine würde beim Glauben ihres Vaters bleiben, wurde auch enttäuscht.
So starb Georg am 17. April 1539, ohne das erreicht zu haben, was Ziel all seines ganzen Strebens war. Sein Bruder und Nachfolger Heinrich führte sogleich nach Georgs Tod die Reformation im Herzogtum ein.

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957