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Dienstag, 22. August 2017
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Johann Mentzer: "O daß ich tausend Zungen hätte"

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Als Sohn eines kleinen Beamten wurde Johann Mentzer am 27. Juli 1658 in Jahmen in der Oberlausitz geboren. Die Schule besuchte er in Bautzen; in Wittenberg studierte er Theologie.
Erst mit 33 Jahren bekam er 1691 seine erste Pfarrstelle in Merzdorf (bei Uhyst/Oberlausitz), zwei Jahre später wechselte er nach Hauswalde bei Kamenz und 1696 nach Kemnitz (bei Bernstadt/ Oberlausitz). Hier blieb er bis zu seinem Tod am 24. Februar 1734 Pfarrer. Auf seinem Grabmal wurde sein Leben so beschrieben: "Denkmal weiland Herrn Johann Mentzer, welcher ordentlich berufener Seelenhirte war anno 1691 zu Merzdorf, 1693 zu Hauswalde, anno 1696 allhier zu Kemnitz; verheiratete sich erstens mit Jungfrau Eva Maria Meindeli, zweitens mit Jungfrau Anna Magdalena Ritzin, lebte in vergnügter Ehe mit der ersten 5 Jahre, 2 Monate, mit der zweiten 29 Jahre, 3 Monate, sahe den Segen von 13 Kindern und 7 Kindeskindern, von denen samt der ersten Mutter 12 ihm im Grabe und Himmel Gesellschaft leisten. Er beschloß sein kreuzvolles Leben, das ihm sonderlich zuletzt noch sauer gemacht wurde von den Feinden des Kreuzes Christi, an einem Steck- und Schlagflusse sehr erbaulich." Bei der zweiten Hochzeit, einer Doppelhochzeit, hielt er seinem Schwager und dieser ihm die Traupredigt. Von den sieben Kindern seiner zweiten Ehe blieb nur eins am Leben; innerhalb von drei Wochen stand er viermal am Grab eines seiner Kinder. Er trug damals ins Sterberegister ein: "Ach mein Gott, was tust du einen so schmerzlichen Herzensriß nach dem andern! Doch es sei auch dafür dein Name hochgelobet." Bei seiner letzten Amtshandlung, der Taufe von zwei Jungen, schrieb der Kantor ins Taufbuch: "Dieser beiden Lämmer Taufe ist die letzte Amtsverrichtung des seligen Pastoris Mentzeri gewesen, welche er küßte und sagte: 'Diese zwei Seelen will ich mit mir in den Himmel nehmen und es soll sie kein Teufel entreißen, und nunmehr hab ich mein Amt vollführet."
Mentzer war stark vom Pietismus berührt, der Frömmigkeitsrichtung, die den "lebendigen Glauben", die "Früchte des Glaubens" anmahnte und die "christliche Vollkommenheit" bzw. die "Wiedergeburt" des Christen aus dem lebendigen Glauben heraus zu ihrem Thema machte. Sie warf der Reformation vor, hierbei nicht konsequent genug gewesen zu sein.
In seiner Haltung bestärkt wurde Mentzer durch seine Bekanntschaft mit Henriette Katharina von Gersdorf, der Großmutter des Grafen Nikolaus von Zinzendorf, und später mit Zinzendorf selbst, dem Begründer der Herrnhuter Brüdergemeine. Kemnitz liegt ja in unmittelbarer Nachbarschaft von Herrnhut. Der Graf hat Mentzer auch sehr geschätzt und ihn einen "im Ofen der Trübsal geläuterten Christ" genannt.
Mentzer hat eine ganze Anzahl von geistlichen Liedern gedichtet; etliche von ihnen fanden Aufnahme im "Reibersdorfer Gesangbuch" bzw. in den "Evangelischen Psalter", einem in den Dorfgemeinden der Oberlausitz weitverbreiten Gesangbuch. Mentzer gebraucht in seinen Liedern eine uns heute etwas schwülstig vorkommende Sprache, wie sie aber damals die Zweite Schlesische Dichterschule pflegte. Unter seinen Liedern blieb noch bekannt "O Jesu, einig wahres Haupt / der heiligen Gemeine", das entweder auf die Melodie "Ein feste Burg" oder auf eine Melodie des Zittauer Kantors Andreas Hammerschmidt gesungen wurde.
Sein bekanntes Loblied (im Evangelischen Gesangbuch Nr. 330) soll Mentzer 1704 gedichtet haben. Im selben Jahr war sein Haus abgebrannt; Er hatte sein ganzes Hab und Gut verloren. Da mußte er beweisen, was er in den - im heutigen Gesangbuch nicht enthaltenen - Strophen gedichtet hat: "Vor andern küß ich deine Rute,/ die du mir aufgebunden hast" bzw. "Und fiele auch der Himmel ein:/ so will ich doch nicht traurig sein." Es fällt auf, daß Mentzer in diesem Loblied gerade auch Gottes Schöpfung zum Lob aufruft, ein Gedanke, der später vor allem in der Aufklärung - man vergleiche Gellerts Lieder - zum Zuge kam.


O daß ich tausend Zungen hätte / und einen tausendfachen Mund,/
so stimmt ich damit um die Wette / vom allertiefsten Herzensgrund /
ein Loblied nach dem andern an / von dem, was Gott an mir getan.

O daß doch meine Stimme schallte / bis dahin, wo die Sonne steht;/
o daß mein Blut mit Jauchzen wallte,/ solang es noch im Laufe geht;/
ach wär ein jeder Puls ein Dank / und jeder Odem ein Gesang!

Ihr grünen Blätter in den Wäldern,/ bewegt und regt euch doch mit mir;/
ihr schwanken Gräslein in den Feldern,/ ihr Blumen, laßt doch eure Zier /
zu Gottes Ruhm belebet sein / und stimmet lieblich mit mir ein!

Ach alles, alles, was ein Leben / und einen Odem in sich hat,/
soll sich mir zum Gehilfen geben,/ denn mein Vermögen ist zu matt,/
die großen Wunder zu erhöhn,/ die allenthalben um mich stehn.

Ich will von deiner Güte singen,/ solange sich die Zunge regt;/
ich will dir Freudenopfer bringen,/ solange sich mein Herz bewegt;/
ja, wenn der Mund wird kraftlos sein,/ so stimm ich doch mit Seufzen ein.

Ach nimm das arme Lob auf Erden,/ mein Gott, in allen Gnaden hin./
Im Himmel soll es besser werden,/ wenn ich bei deinen Engeln bin./
Da sing ich dir im höhern Chor / viel tausend Halleluja vor.

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957