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Sonntag, 19. November 2017
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Liederdichter Martin Moller: ACH GOTT, WIE MANCHES HERZELEID

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Martin Mollers Jugend war ärmlich. Als Sohn eines Maurers wuchs er in Kroppstädt bei Wittenberg auf. Erst mit zehn Jahren konnte er die Schule besuchen. Dabei wurde seine Begabung erkannt und es ihm ermöglicht, auf der Wittenberger Stadtschule auch Latein zu erlernen. Das bedeutete aber für ihn, daß er über sechs Jahre lang täglich den Schulweg hin und zurück zu Fuß zurücklegen mußte. Als einer seiner Lehrer nach Görlitz ans Gymnasium berufen wurde, nahm dieser ihn mit. Dort beendete er die Schule und wurde gleich mit 21 Jahren als Kantor nach Löwenberg,einer niederschlesischen Kleinstadt, berufen. Als er 25 Jahre alt wurde, bot man ihm an, im nahegelegenen Kesselsdorf Pfarrer zu werden. In Wittenberg wurde er ordiniert, obwohl er nie Theologie studiert hat. Nach einem halben Jahr bereits rief man ihn nach Löwenberg auf eine Pfarrstelle und zwei Jahre später nach Sprottau. Hier wirkte er 25 Jahre lang. 1600 bot ihm der Rat der Stadt Görlitz die Oberpfarrstelle an St. Peter und Paul an unter der Anweisung, "die rechte, reine Lehre der Hl. Worte Got-tes, wie dieselben in den prophetischen und apostolischen Schriften begriffen, sowohl auch der Augsburgischen Confession, deren Apologie und Corpori Doctrinae des Herrn Philippi Melanchthonis gemäß zu predigen und fürzutragen".
Moller war zweimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe hatte er sieben Töchter, aus der zweiten einen Sohn. Längere Zeit quälte ihn ein Steinleiden, im letzten Lebensjahr erblindete er. Trotzdem hat er bis kurz vor seinem Tod sein Pfarramt noch ausgeübt. Am 2. März 1606 starb er.
Moller war also ein Philippist, wie man die Anhänger Melanchthons nannte. Im Kurfürstentum Sachsen hätte er sich wohl kaum halten können, galt er manchem doch gar als heimlicher Calvinist; aber in der Lausitz, die damals noch zu Böhmen gehörte, war dies möglich. Doch erregte auch hier sein vierbändiges Erbauungsbuch Praxis evangeliorum dominicalium (Anwendung der sonntäglichen Evangelien) Anstoß, weil damit das "Calvinische Gifft zu Goerlitz auf die Cantzel gekommen sei." Moller aber verteidigte sich mit Berufung auf seine Lehrverpflichtung, die er treulich eingehalten habe. Man nahm es ihm jedoch übel, was er geschrieben hatte: "O wie leicht wären viele Controversien zu ertragen, wenn nur Sanftmut in der Lehrer Herzen wohnete und die harten Köpfe könnten vertragen werden." Doch fand er auch Verteidiger, so den Görlitzer Rektor Großer: "Es ist dem Mollero zu viel geschehen und man hätte ihn als einen Mann, der sich zum Disputieren nicht berufen zu sein achtete, bei seiner erbaulichen, schriftgemäßen Einfalt bleiben lassen mögen."
Mollers Begabung lag vor allem im Geschick, alte Texte ins Deutsche zu übersetzen. Er hat aus den Erbauungsbüchern der Kirchenväter Augustin, Bernhard, Tauler u. a. vieles seinen Zeitgenossen und der Nachwelt weitergegeben. Die hohe Zahl der Auflagen seiner Bücher beweist ihre Beliebtheit und Verbreitung. Entgegen mancher Behauptung zeigt er, daß in der lutherischen Kirche seiner Zeit die Väter der alten und mittelalterlichen Kirche durchaus bekannt waren und gelesen wurden. Seine Betrachtungen über die Sonntagsevangelien erreichte 44 Auflagen, seine "Heilsame Betrachtung des Leidens und Sterbens Christi" 23. Der Württemberger Pietist Johann Tobias Beck urteilte 250 Jahre später über diese Schrift, sie sei wohl das beste, was die lutherische Kirche als Erbauungsbuch über die Passion Christi hervorgebracht habe. Moller schrieb nicht nur anderen, er schrieb auch sich selbst zum Trost.
Das doppelte M seines Namens deutete er für sich als "Memento mori" (Sei deines Sterbens eingedenk). Bis 1953 stand auf dem Görlitzer Nikolaikirchhof die "Mollerlinde". Von ihr heißt es, der der Irrlehre verdächtigte Moller habe den Seinen gesagt, sie sollten als Denkmal auf sein Grab eine Linde mit den Zweigen in die Erde pflanzen: "So gewiß diese Linde wachsen wird, so gewiß habe auch ich Gottes Wort rein und lauter gelehret und gepredigt." (Ähnliches wird auch von Linden auf anderen Friedhöfen, wie etwa in Annaberg, erzählt.)
Im Evangelischen Gesangbuch stehen zwei Lieder von ihm; sie gehen auf ältere, vor allem mittelalterliche Lieder zurück (Nr. 128, 146). Dem folgenden, das nicht mehr im Gesangbuch steht, gab er selbst als Überschrift: "Ein Trostgebet, damit ein betrübtes Herz in allerlei Kreuz und Anfechtung dieser letzten mühseligen Zeit sich ganz lieblich trösten und an dem süßen Namen Jesu Christi sehnlich ergötzen kann. Aus dem alten Hymnus Jesu dulcis memoria". Dieser Hymnus wird Bernhard von Clairvaux (gest. 1141) zuge-schrieben; er ist durch Moller den Deutschen nahegebracht worden.
Die ersten beiden Strophen hat Moller selbständig gedichtet, es folgen dann sechs, die man als Nachdichtung bezeichnen kann.


Ach Gott, wie manches Herzeleid / begegnet mir zu dieser Zeit;/
der schmale Weg ist trübsalvoll,/ den ich zum Himmel wandeln soll./
Wie schwer doch lässet Fleisch und Blut / sich zwingen zu dem ewgen Gut!

Wo soll ich mich denn wenden hin?/ Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn;/
bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rat / allzeit gewiß gefunden hat./
Niemand jemals verlassen ist,/ der hat getraut auf Jesus Christ.

Jesu, mein Herr und Gott allein,/ wie süß ist mir der Name dein!/
Es kann kein Trauern sein so schwer,/ dein süßer Nam erfreut viel mehr;/
kein Elend mag so bitter sein,/ dein süßer Trost, der linderts fein. ..

Kein beßre Treu auf Erden ist / denn nur bei dir, Herr Jesu Christ./
Ich weiß, daß du mich nicht verläßt;/ dein Wahrheit bleibt mir ewig fest./
Du bist mein rechter, treuer Hirt,/ der ewig mich behüten wird.

Wenn ich mein Hoffnung stell zu dir,/ so fühl ich Fried und Trost in mir;/
wenn ich in Nöten bet und sing,/ so wird mein Herz recht guter Ding./
Dein Geist bezeugt, daß solches frei / des ewgen Lebens Vorschmack sei. ..

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957