
Cornelius Becker: Dein Wort, Herr, nicht vergehet
Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler
Cornelius Becker ist besonders bekannt geworden durch seine Umdichtungen der alttestamentlichen Psalmen. Der "Beckersche Psalter" ist allen Kantoren und Kirchenchören ein Begriff, vor allem, weil Heinrich Schütz die Dichtungen Beckers vertont hat.Geboren wurde Cornelius Becker als Kaufmannssohn am 24. Oktober 1561 in Leipzig. Hier besuchte er das Gymnasium, hier studierte er seit 1576 Theologie und errang an der Universität seiner Vaterstadt 1583 die Würde eines Magisters. Danach unterrichtete er zuerst an einer Privatschule, darauf 1588 an der Leipziger Thomasschule. Es war zu seiner Zeit durchaus üblich, daß Theologen zunächst als Haus- oder als Gymnasiallehrer tätig waren, bis sie auf eine Pfarrstelle berufen wurden. So war es auch bei Becker der Fall. Noch im Herbst 1588 wurde er Archidiakonus (2. Pfarrer) in Rochlitz.
Nach vier Jahren kehrte er in seine Heimatstadt zurück - zunächst wieder als Archidiakonus, dann als (1.) Pfarrer an der Nikolaikirche. In diesen Jahren promovierte er zum Lizentiaten (1597) und zum Doktor der Theologie (1599). 1601 wurde er auch Professor an der Universität, übte seine Lehrtätigkeit jedoch neben seinem Pfarramt aus. Eine Zeitlang wurde er seines Amtes enthoben, weil er zu scharf gegen die damals in Sachsen wortführenden "Kryptokalvinisten" predigte. Diese wollten zum zweiten Male das Kurfürstentum Sachsen dem westeuropäischen Calvinismus zuführen. Umstritten bleibt, inwieweit bei ihnen glaubensmäßige oder politische Motive maßgebend waren. Das sächsische Volk und seine Pfarrerschaft haben diesem Vorhaben entschiedenen Widerstand entgegengesetzt, darunter auch Becker.In der Zeit, in der er seines Amtes enthoben war, reifte in ihm der Plan, die alttestamentlichen Psalmen in Lieder umzudichten, die im Gottesdienst gesungen werden konnten. Im reformierten Genf war dies längst geschehen, dort durften zunächst überhaupt nur Psalmen und Psalmlieder gesungen werden. Im lutherischen Deutschland war man da viel freier. Aber maßgeblich für das geistliche Lied der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde blieben die Psalmen immer. Luther hatte schon etliche von ihnen zu Liedern umgedichtet. Zu Beckers Zeit wurden die von Ambrosius Lobwasser aus dem Französischen übersetzten Psalmdichtungen der Reformierten zuerst in Leipzig (!) gedruckt und dann in viele Gesangbücher übernommen. Diese Dichtungen waren zwar wortgetreu, aber in ihrer Sprache recht schwerfällig. Becker regte sich über diese Übersetzungen auf und ging daran, die ins Deutsche übersetzten Dichtungen der calvinistischen "Rädelsführer Beza und Marot" zu ersetzen. Außerdem störten ihn die "fremden, französischen und für die weltlüsternen Ohren lieblich klingenden Melodien". Sein "Psalter Davids" erlebte viele Auflagen und bereicherte das geistliche Liedgut im lutherischen Deutschland zweifellos. Was er gewollt hatte, erreichte er. Sein "Psalter Davids" verdrängte die französischen Psalmdichtungen.
Zuerst hat den "Psalter Davids" der Leipziger Thomaskantor Seth Calvisius in mehrstimmigen Sätzen zu den von Becker vorgeschlagenen, bereits bekannten Melodien vertont (1617/18), dann aber meisterhaft Heinrich Schütz (1628) mit 92 neuen Melodien und vierstimmigen Chorsätzen dazu. 1661 gab Schütz noch die restlichen 58 Psalmlieder vertont heraus.
Im Unterschied zu den von den Reformierten gedichteten und von Lobwasser verdeutschten Psalmliedern kommt es Becker - in Luthers Nachfolge - vor allem darauf an, die Psalmen vom Neuen Testament her zu verstehen, als Deutungen auf Jesus Christus hin. Ihre Einführung in den Gottesdiensten versuchte er durch volkstümliche deutsche Melodien zu erleichtern. Es gab später Gesangbücher, die den Beckerschen Psalter vollständig enthielten. Gewidmet hat er seinen "Psalter Davids Gesangweis" der sächsischen Kurfürstin Sophie mit den Worten: "Weil Luther nicht Zeit und Mühe gehabt, den ganzen Psalter in deutsche Gesänge zu bringen, müssen wir hernach stoppeln, so gut als wir können, und da wir auf dem gelegten prophetischen und apostolischen Grund nicht mit Wacken- und Werkstücken, wie der Herr Lutherus, bauen können, so müssen wir mit kleinen Füllsteinen die Lücken vollends ausflechten, so gut als Gott das Vermögen durch die Gabe des Heiligen Geistes darreicht."
Im Alter von noch nicht 43 Jahren starb Becker in Leipzig. Der Superintendent Weinrich hielt ihm die Leichenpredigt und nannte dabei Becker eine "recht brennende Fackel, einen recht gewachsenen Cedernbaum".
Von seinen 150 Psalmliedern stehen fünf, zum Teil überarbeitet, im Evangelischen Kirchengesangbuch. Unter ihnen ist das Lied über den 119. Psalm besonders bekannt und wird auch heute in vielen Gottesdiensten (mit der Melodie von Heinrich Schütz) gern gesungen. In ihm geht es um das rechte Leben eines Christen im Alltag. Der Christ kann dann seines Glaubens leben, wenn er in Gottes Wort fest verankert ist. In der letzten Strophe wird der Ruf der Reformation, der vor allem in Freiberg (durch das Anbringen an den Haustüren) zum Bekenntnis zur Reformation und wohl dadurch zum Wahlspruch Herzog Heinrichs geworden war, als er 1537 in Freiberg und 1539 im albertinischen Sachsen die Reformation einführte, aufgenommen: "Gottes Wort bleibt in Ewigkeit" (Psalm 119, 89).
vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln
und leben allezeit,
die recht von Herzen suchen Gott
und seine Zeugniss' halten,
sind stets bei ihm in Gnad'.
Von Herzensgrund ich spreche:
Dir sei Dank allezeit,
weil du mich lehrst die Rechte
deiner Gerechtigkeit.
Die Gnad' auch ferner mir gewähr;
ich will dein' Rechte halten,
verlaß mich nimmermehr.
Mein Herz hängt treu und feste
an dem, was dein 'Wort lehrt.
Herr, tu bei mir das Beste,
sonst ich zuschanden werd'.
Wenn du mich leitest, treuer Gott,
so kann ich richtig laufen
den Weg deiner Gebot.
Dein Wort, Herr, nicht vergehet,
es bleibet ewiglich,
so weit der Himmel gehet,
der stets beweget sich;
dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit
gleichwie der Grund der Erden,
durch deine Hand bereit'.
Inhalt (alphabetisch)
Becker, Cornelius
1561 - 1603
Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)
Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684
David, Christian
1692 - 1751
Eid, Bischof
960 - 1015
Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840
Georg der Bärtige
1471 - 1539
Gerhardt, Paul
1607 - 1676
Gregor, Christian
1723 - 1801
Hahn, Hugo
1886 - 1957