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Donnerstag, 8. Dezember 2016
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Heiligsprechung des Bischofs Benno von Meißen

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Unter den Meißner Bischöfen aus dem Mittelalter ist keiner so bekannt, aber auch keiner so umstritten wie Benno. Den römisch-katholischen Mitchristen gilt er als Heiliger. Vielen ist der Leipziger St.-Benno-Verlag ein Begriff.

Andererseits ist aber Benno in der Reformationszeit - sicher nicht ganz objektiv - von Luther und den Reformatoren verspottet worden; Anlaß war, dass erst 1523/24 Benno zum Heiligen erhoben wurde (übrigens als einziger unter den Meißner Bischöfen). Dies war ein - gewiss völlig untauglicher - Versuch, der Ausbreitung der Reformation in Sachsen entgegenzuwirken. Damals schrieb Luther seine bitterböse Schrift "Wider den Abgott und Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden".

Bennos Name begegnet uns erstmals in einer Urkunde von 1062. Daraus geht hervor, dass er, einem Grafengeschlecht entstammend, Kaplan an der königlichen Kapelle in der Pfalz Goslar war. Vielfach sind Kapläne der königlichen Kapelle zu Bischöfen ernannt worden, so dass die Berufung Bennos keine Ausnahme darstellt. Zunächst sollte zwar der Propst der Kapelle Bischof werden, doch bevor er sein Amt antreten konnte, starb er. So wurde statt seiner 1066 Benno Bischof von Meißen.

Dom zu MeißenAls Reichsfürst war der Bischof dem König zur Treue verpflichtet, als Bischof dem Papst. Vorerst waren dem Reich noch Jahre des Friedens vergönnt, doch bald sollte der Investiturstreit das ganze Abendland erschüttern, ein Streit, der unter dem Kampfruf "Libertas ecclesiae" (Freiheit für die Kirche) ausgefochten wurde. Anlass war, dass seit Kaiser Otto I. unangefochten der Kaiser die Bischöfe im Reich ernannte und als Reichsfürsten belehnte. Jetzt erklärten die Päpste, dass jede Einsetzung eines Geistlichen durch einen Laien Unrecht sei. 1076 erklärte König Heinrich IV. den Papst für abgesetzt, im Gegenzug bannte Papst Gregor VII. den König und entband alle seine Untertanen von ihrem Treueid. Das erschütterte das ganze Reich. Nur durch seinen berühmten Bittgang nach Canossa (1077) konnte er sich von diesem Bann wieder lösen.

Zuvor aber erschütterte 1073 Deutschland ein Aufstand der sächsischen Fürsten. Der junge König hatte sich entschlossen, verloren gegangenes Reichsgut zurückzugewinnen. Dabei ging er besonders rigoros vor, so dass er die Sachsen gegen sich aufbrachte. Das Bistum Meißen wurde in diesen Streit hineingezogen. Benno versuchte, sich aus dem Streit herauszuhalten. Dafür beschuldigte ihn der König des Hochverrats, habe er doch "während des ganzen Sachsenkrieges ihm keinen Beweis seiner ungebrochenen Treue ... gegeben". Ja, der König nahm ihn gefangen. Der königsfeindliche Chronist Lampert von Hersfeld urteilt über Benno, er sei "ein Mann von kirchlicher Armut" gewesen. Er lehnte es offenbar ab, sich als Bischof an kriegerischen Auseinandersetzungen zu beteiligen. Wo Benno gefangen gehalten wurde, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, wie er wieder freigekommen ist. Jedenfalls war er bald wieder in seinem Bistum und scheint 1077 an der Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden in Forchheim beteiligt gewesen zu sein.

Im Unterschied zu den anderen sächsischen Bischöfen hat Benno sich auch weiterhin von den kriegerischen Auseinandersetzungen ferngehalten und ist seinen kirchlichen Amtspflichten nachgekommen. Nach Rudolfs Tod wandte er sich dem neuen Gegenkönig Hermann von Salm zu. Dafür wurde er von Heinrich zusammen mit den anderen Bischöfen, die von ihm abgefallen waren, abgesetzt; für ihn wurde ein Felix zum Meißner Bischof ernannt. Benno erbat vom Gegenpapst Verzeihung, und dieser ließ ihn in sein Bistum zurückkehren. Jetzt drohte ein Streit, wer der rechtmäßige Bischof von Meißen sei. Gerade das hatte Benno vermeiden wollen. Er sah das Elend, das durch den unseligen Streit aufbrach. Wie sollte da das Evangelium glaubhaft verkündigt werden können? Sein Verhalten entbehrte "doch nicht innerer Größe, denn nur im Frieden war eine geistliche Arbeit zum Heile der ihm anvertrauten Seelen möglich, wie sie ihm als Hirten seiner Diözese oberstes Anliegen gewesen zu sein scheint", urteilt der Historiker Walter Schlesinger. Benno gelang es, wieder unangefochten sein Bistum zu leiten, ja er hat offensichtlich bei Friedensverhandlungen das Ende des Bürgerkrieges in Sachsen herbeigeführt. Und als König Heinrich sich die Idee des Gottesfriedens zu eigen machte, hat Benno ihn dabei unterstützt. Er hat nicht unbeträchtlich sein Bistum vergrößern und ihm durch Landschenkungen in den Jahren 1090, 1091 und 1095 Besitz zuführen können. Er hat im hohen Alter noch die Strapazen weiter Reisen auf sich genommen, um am Königshof zu erscheinen.
Im letzten Jahrzehnt seines Lebens muss sich Benno still und unauffällig seiner geistlichen Arbeit gewidmet haben. In Urkunden wird er nicht mehr erwähnt, nicht einmal sein Tod wird überliefert. Er muss zwischen 1105 und 1107 gestorben sein.

Was sonst über ihn berichtet wird, ist Legende. Am bekanntesten ist die vom Fisch und dem Schlüssel, darum wird Benno als Heiliger mit diesen beiden Attributen dargestellt. Es wird erzählt, er habe vor seiner Abreise aus Meißen 1085 den Schlüssel zum Dom in die Elbe geworfen, damit der Gegenbischof diesen nicht betreten könne. Als er im Jahr darauf zurück nach Meißen kam, wurde der Fisch gefangen und der Schlüssel in seinem Bauch gefunden, so daß Benno wieder in den Dom einziehen konnte. Auch heißt es, daß die Felder, durch die Benno gezogen war, künftig besonders reiche Ernten erbracht hätten. Wahrscheinlich ist diese Legende darauf zurückzuführen, daß der Bischof sich auch um das leibliche Wohl der ihm Anvertrauten gekümmert hat.

Schon vor der Reformation bemühte man sich in Meißen um die Heiligsprechung dieses Bischofs. Als nach Herzog Georgs des Bärtigen Tod 1539 die Reformation im albertinischen Sachsen eingeführt wurde, ist das Bennoheiligtum im Meißner Dom zerstört worden. Ob dabei die Gebeine mit vernichtet worden oder ob sie vorher gerettet worden sind, ist umstritten. Jedenfalls sollen sie 1576, mit einem Echtheitszeugnis versehen, nach München in die Frauenkirche überführt worden sein. So wurde der Meißner Bischof 1580 Schutzpatron von Bayern und München.

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957