
Christian David: Handwerker und Prediger
Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler
"Ohngefehr 1692 bin ich zur Welt gebohren in Mehren in einem Dorf Senfleben, ein Meil von Mytitzschein. Mein Vater ist ein Böhm gewesen, seiner Profession ein Zimmermann. Die Mutter aber Deitzscher natzion. Habe in meiner Jugend die Küh und Schaffe gehittet. Darnach bin ich bei den Ferden gewesen und bin vielmal gestirtz." Der so ungelenk über seine Jugend schrieb, hat für die Herrnhuter Brüdergemeine große Bedeutung gewonnen, er ist ihr Mitbegründer geworden.
Seine Eltern waren römisch-katholisch. Später berichtet er, er sei oft auf den Knieen um die Marienbilder hin und her gekrochen. Sein Gewissen sei über seine Sünden in große Unruhe gekommen, aber er habe keinen Trost gefunden. Um den väterlichen Beruf zu erlernen, ging er auswärts zur Lehre - bei einem evangelisch gesonnenen Meister. Hier lernte er es, allein Gott zu vertrauen. Als einige der Gleichgesinnten um ihres Glaubens willen verhaftet wurden, bewegte ihn das tief. Kurzzeitig besuchte er eine Synagoge und "wurde ganz irre über der christlichen Religion", er wußte nicht, wer nun recht habe. Bei seinem Meister fand er eine Bibel auf dem Dachboden und las eifrig in ihr, so daß er "überzeugt wurde, daß die christliche Lehre Grund hatte und wahr wäre". Er beschloß, evangelisch zu werden. Vergeblich versuchte er dies - dauernd auf Wanderschaft - zunächst in Ungarn, dann in Leipzig. In Berlin ließ er sich als Soldat anwerben und fand hier einen Pfarrer, der ihn in die lutherische Kirche aufnahm und ihm eine Bibel schenkte. Nachdem er 1715 an der Eroberung Stralsunds teilgenommen hatte, kehrte er - erneut auf Wanderschaft - nach Görlitz in seinen erlernten Beruf zurück. Hier fand er seine geistliche Heimat in einem Kreis um den pietistischen Pfarrer Schäfer. Er fühlte sich gedrängt, seinen böhmischen Landsleuten "zu verkündigen, was er gehört und gesehen hatte". Unter ihnen waren Nachkommen der Böhmischen Brüder, einer vorreformatorischen Gemeinschaft, die auf Hus zurückging. Diese wollten dem Druck der Gegenreformation ausweichen. Weniger ihrer alten Glaubensgemeinschaft als mehr der Sehnsucht nach einem lebendigen Glauben verhaftet, sammelte David Gleichgesinnte. Der sächsische Graf Nikolaus v. Zinzendorf hatte von David gehört. David berichtet: "Da denn durch andere Brüder dem Herrn Grafen diese Umstände von den bedrückten Brüdern bekannt geworden, ließ er mich rufen. Da ich denn zu ihm kam, erfreute mich sein liebreiches und demütiges Bezeugen, er fragte mich umständlich aus, wie es in Mähren zuginge... und sagte: Wenn sie wollen zu mir kommen, so will ich ihnen Unterhalt geben, kein Geld aber hab ich nicht, denn ich bin auch ein Exulant bis dahero gewesen, hab mir für das, was ich gehabt, ein Gut gekauft, und wenn es ihnen gefällt, so mögen sie im Namen Gottes kommen und sich hier niederlassen. Wenn das ist, daß sie wollen Gott suchen, so ist mirs lieb." Mit dieser Auskunft kam er in die mährische Heimat. Daraufhin zogen etliche mit David in die Oberlausitz. Am 17. Juni 1722 fällte David am Hutberg bei Berthelsdorf den ersten Baum für die entstehende Siedlung. Das war die Geburtsstunde von Herrnhut und der Herrnhuter Brüdergemeine, ein Ereignis, das am Dresdner Hof gar nicht gern gesehen wurde. Ihr erster Bischof wurde später Zinzendorf und dessen engster Mitarbeiter David. Ohne festes Amt in der Brüdergemeine war er zeitweise in seinem Beruf tätig, zeitweise als hinreißender Prediger oder als Missionar in vielen Ländern bis nach Grönland und Nordamerika. "Wo immer der Heiland Häuser baut, da ist mein Herz zu Hause." David war voller Temperament, manchmal übereilt im Handeln und sehr streng, ja gesetzlich in seinen Predigten. Zinzendorf urteilt später über ihn: Er "war ein Mann voll Geist und Feuer und von rastloser Tätigkeit bei Erweckung von Seelen in seinem Vaterlande und anderwärts unter Christen und Heiden. ... Ehe man sichs versah, tat er eine Reise von einem halben Jahr durch Schlesien und Mähren, predigte überall gewaltig und machte großes Aufsehen, woraus eine harte Verfolgung entstand. ... Der Heiland aber bediente sich seiner doch." Seine Frömmigkeit wird am besten charakterisiert mit seinen eigenen Worten:
"Muß ich die Welt durchgehen,
wenn du mit deinen Nähen
mir nur stets tröstlich bist,
so will ich dich bekennen
und oft den Namen nennen,
der mir der liebste Name ist."
Er starb am 3. Februar 1751 in Herrnhut. Auf seinem Grabstein steht: "Des Herren Knecht".
Seine Lieder singt man heute noch in der Herrnhuter Brüdergemeine. Eins von ihnen stehet im Evangelischen Gesangbuch. Das Lied wird gerade auch in kirchlichen Jugendkreisen viel gesungen; es spielte im Herbst 1989 eine große Rolle:
Sonne der Gerechtigkeit,
gehe auf zu unsrer Zeit;
brich in deiner Kirche an,
daß die Welt es sehen kann.
Erbarm dich, Herr.
Laß uns deine Herrlichkeit
ferner seh'n in dieser Zeit
und mit uns'rer kleinen Kraft
üben gute Ritterschaft.
Erbarm dich, Herr.
Inhalt (alphabetisch)
Becker, Cornelius
1561 - 1603
Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)
Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684
David, Christian
1692 - 1751
Eid, Bischof
960 - 1015
Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840
Georg der Bärtige
1471 - 1539
Gerhardt, Paul
1607 - 1676
Gregor, Christian
1723 - 1801
Hahn, Hugo
1886 - 1957