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Donnerstag, 8. Dezember 2016
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Bartholomäus Ziegenbalg: Der erste lutherische Missionar

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

"Schaff er uns Leute, Herr Doktor", sagte der dänische König zu seinem Hofprediger D. Lütkens - und meinte damit Missionare für seine neuen Untertanen in Ostindien. Dänische Theologiestudenten erschienen als ungeeignet. So wandte sich D. Lütkens an deutsche Freunde. Bald wurden ihm zwei genannt, der Mecklenburger Harald Plütschau und der Sachse Bartholomäus Ziegenbalg, "zwei feine subjecta, die Gott von Hertzen fürchteten und in der seligmachenden Lehre genugsamen Grund hätten". Beide kannten sich aus der Studentenzeit in Halle.

Ziegenbalg wurde am 10. Juli 1682 in Pulsnitz geboren. Eigentlich hatte er sein Studium noch nicht abgeschlossen, auch hatte er keine gute Gesundheit aufzuweisen. Die Anfrage, ob er bereit sei, sich nach Indien senden zu lassen, erreichte ihn, als er gerade von einer schweren Krankheit genesen war. Deshalb wagte er nicht zuzusagen. Aber die Empfänger seines Briefes entnahmen seinem Brief eine Zusage und so sah er dies als Gottes Willen an. Mit Plütschau reiste er nach Kopenhagen. Ziel ihrer Reise war aber die dänische Kolonie Tranquebar.

Beide jungen Männer waren erklärte Pietisten, Christen, die es mit ihrem Glauben besonders ernst nahmen. Sie ließen sich senden, wohin man sie schickte. In Kopenhagen bestanden sie das Examen und wurden ordiniert und dabei auf ihr lutherisches Berkenntnis verpflichtet.

Am 29. November 1705 begann die Schiffsfahrt und erst am 9. Juli erreichten sie ihr Ziel. Aus seinen Briefen wissen wir von den Strapazen der Reise, vor allem aber von ihren Vorstellungen und von den Schwierigkeiten, die ihnen in Tranquebar gemacht wurden. Entgegen landläufiger Meinung wollte man die Missionare in der Kolonie gar nicht haben. Wohl gab es dort eine Gemeinde unter den Kolonialisten, aber um die indischen Einwohner kümmerten sie sich nicht. Ziegenbalg schrieb nach Hause, "über diß konnten wir auch genugsam verspühren, daß unsere Ankunft den meisten unter den Christen wegen unseres Vornehmens theils gantz lächerlich vorkam, theils aber ihnen gantz zuwider war". Vor allem der Kommandant der Kolonie wollte sie nicht haben, befürchtete er doch, daß die beiden Unliebsames über ihn berichten würden. So hat "dieses heilige Werck unter großem Widerstand, und unter sehr vielem Creutz und Anfechtung seinen Anfang genommen". Zuerst lernten sie die Landessprache Tamil. Nach acht Monaten beherrschten sie die Sprache, so daß sie anfangen konnten zu predigen. Bald begann Ziegenbalg auch mit der Übersetzung zunächst des Neuen Testaments. 1715 lag es gedruckt vor. Weiter wurde Luthers Kleiner Katechismus, wurden Lieder und Psalmen übersetzt und ein tamilisches Gesangbuch erstellt. Gleichzeitig lernten sie die Gewohnheiten und vor allem die religiösen Überzeugungen der Inder kennen.

Die ersten Taufbewerber konnten am 5. Mai 1707 in ihrem Glauben examiniert und am 12. Mai getauft werden. Damit begann die erste Missionsgemeinde der lutherischen Kirche. Bis 1720 kamen jährlich zwischen 17 und 57 Neugetaufte hinzu. 1720 gehörten 250 Inder zur Gemeinde. Sicher waren also etliche schon gestorben, andere vom Christentum wieder abgefallen. Für die Gemeinde wurde die Neu-Jerusalems-Kirche gebaut und am 14. August 1707 bereits eingeweiht. Schon zehn Jahre später mußte eine größere errichtet werden.

Neben allen Mühen und Erfolgen gab es herbe Enttäuschungen. Ziegenbalg, der bald allein die Arbeit tun mußte, da Plütschau nach Hause zurückkehrte, war vier Monate über im Gefängnis, einem "Schwitzloch neben der Küche". Der Kommandant suchte Gründe, das Missionswerk zu hintertreiben und schmähte die Missionare sogar unter den Indern. Letztlich erwiesen sich aber die Anklagen als haltlos, Ziegenbalg wurde freigelassen. Das Missionswerk konnte fortgeführt werden.

13 Jahre hat Ziegenbalg in Tranquebar gewirkt und ist zum Gründer und Vater der lutherischen Weltmission geworden. Am 23. Februar 1719 ist er in Tranquebar gestorben, noch nicht 37 Jahre alt. Bereits 1707 hatte er sich um indische Mitarbeiter bemüht, zwei Jahre später an indische Pastoren gedacht. Tamil beherrschte er wie seine Muttersprache und hat eine tamilische Grammatik erarbeitet. Sein Werk wurde 120 Jahre nach seinem Tode von der Leipziger Mission übernommen. Der erste, der 1840 von Leipzig nach Indien ausgesandt wurde, war Heinrich Cordes.

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957