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Donnerstag, 8. Dezember 2016
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Martin Rinckart: "Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen"

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Als der Dreißigjährige Krieg 1648 endlich ein Ende fand und der Friede allmählich in Deutschland wieder einkehrte, fanden vielerorts Dankgottesdienste statt, bei denen häufig Martin Rinckarts Lied "Nun danket alle Gott" gesungen wurde. Ursprünglich hatte er es aber als Tischlied 1630 gedichtet als eine Umdichtung von Sirach 50, 24-28, von Worten also der sogenannten alttestamentlichen Apokryphen, und dazu auch die Melodie komponiert. Kaum ein Erntedankgottesdienst oder ein Gottesdienst zum Altjahrsabend, wo es nicht gesungen wird. Ebenso wurde es in vielen Kirchen als Dank Gott gegenüber am Sonntag nach dem 9. November 1989 gesungen, nachdem bereits an diesem Tage ein Trompeter es auf der Berliner Mauer geblasen und so seinen Dank dem Herrn der Geschichte Ausdruck gegeben hatte. Es ist zum vielleicht bekanntesten Loblied der Christen aller Konfessionen geworden und wird in der ganzen Christenheit gesungen. Manche kennen das Lied auch als den "Choral von Leuthen", weil Friedrich II. von Preußen es seine Soldaten nach der Schlacht von Leuthen singen ließ, in der er seine wohl berühmteste Schlacht gewonnen hatte - nur dazu war das Lied sicher nicht gedichtet worden.

Martin Rinckart wurde am 23. (oder 24.) April 1586 in Eilenburg als Sohn eines Böttchers geboren. "Nur durch die Mittel armer Eltern und durch ihre blutsaure Handarbeit bin ich bis in das 15. Jahr notdürftig erhalten worden", berichtet er später. Der Eilenburger Superintendent sorgte dafür, daß der begabte Junge 1601 die Leipziger Thomasschule besuchen konnte. Der damalige Thomaskantor Seth Calvisius förderte seine musikalische Begabung und ließ ihn als "Chorverwalter" einen kleinen Chor leiten. Durch Kurrendesingen verdiente Rinckart sich seinen Lebensunterhalt. Wenig später schrieb er sich als Theologiestudent an der Leipziger Universität ein. Als er sich 1610 um eine in Eilenburg frei werdende Pfarrstelle bewarb, meinte man, er habe sich bisher mehr um die Musik als um die Theologie gekümmert. So wurde er erst einmal Kantor und Lehrer an St. Nikolai in Eisleben, doch ein Jahr später schon Diakonus (3. Pfarrer) an St. Annen und 1613 Pfarrer im nahegelegenen Erdeborn.

Zum Reformationsjubiläum 1617 verfaßte er mehrere Lutherdramen. Im ersten ("Der Eislebensche christliche Ritter") greift er zum ersten Mal in der deutschen Literatur die durch Lessings "Nathan den Weisen" später berühmt gewordene Parabel von den drei Ringen auf. 1617 wurde er zum Archidiakonus (2. Pfarrer) in seiner Vaterstadt berufen. Er hat in ihr bis zu seinem Tode gewirkt und als "der Gemeinde ältester Katechismusvater" gern über Luthers Katechismen gepredigt.

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges stand er seiner Gemeinde als treuer Seelsorger zur Seite. Er übte scharfte Kritik am damals üblichen "Kippen und Wippen", an der Verschlechterung der Münzen durch Beschneiden oder falsches Wiegen, auch dem Stadtrat gegenüber, da er sich durch diese Geldentwertung gegen das 7. Gebot versündige. Als der Stadtrat sich deswegen beim Kurfürsten beschwerte, antwortete dieser, Rinckart habe nur getan, was sein Amt von ihm erfordere.

Mehrfach setzte er sich für seine Stadt ein, als sich ihr feindliche Heere nahten. So forderte der schwedische Oberstleutnant Dörfling von der Stadt unerschwingliche 30 000 Taler. Als dieser sich allen Bitten um Ermäßigung der Summe widersetzte, rief Rinckart seine Gemeinde zum Gebet in die Kirche: "Wir haben kein Gehör und Gnade bei den Menschen gefunden, wir wollen mit Gott reden." Bald darauf ermäßigte der Offizier seine Forderung und zog ab. Wenig später forderte der schwedische Oberst Beer erneut eine hohe Summe von der völlig verarmten Stadt. Auch diesmal erreichte Rinckart eine Ermäßigung der Summe.
1637 wütete in Eilenburg die Pest und forderte viele Tote. Rinckart verlor durch sie auch seine Frau. Trotzdem blieb er in der Stadt und soll allein 4 480 Tote begraben haben. Ein Jahr später suchte eine schreckliche Hungersnot die Stadt heim. Auch dabei erwies sich der Pfarrer vorbildlich und half, wo er nur helfen konnte.

Ein Jahr nach dem Westfälischen Frieden, am 8. Dezember 1649, starb Rinckart in seiner Vaterstadt, wo er 32 Jahre lang amtiert hatte. Er wurde in der Stadtkirche an der Stelle begraben, wo er Jahrzehnte hindurch Beichte gehalten hatte. Sein Siegelring trug die Aufschrift MVSICA, die er so deutete: "Mein Vertrauen steht in Christo allein."

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957