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Donnerstag, 30. Juni 2016
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Gottfried Silbermann

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Im Herbst 1993 waren die X. Silbermanntage dem Thema "Silbermann und Frankreich" gewidmet. Nicht nur in Sachsen, sondern auch im Elsaß gibt es eine Menge "Silbermannorgeln", zumeist erbaut von Andreas Silbermann. Er war 1699 als Orgelbauer nach dem Elsaß gegangen und hat dort, Elemente französischer Orgelbaukunst aufnehmend, eine Reihe wertvoller Orgeln erbaut, die noch heute in vielen Kirchen erklingen - vom großen Münster und der lutherischen Kirche St. Thomas in Straßburg angefangen bis zu kleinen Dorfkirchen. Bei Andreas hat sein Bruder Gottfried gelernt und diese Verbindung zwischen sächsischer und elsässischer Orgelbaukunst mitgebracht, die seine Werke auszeichnen. Das ist aber auch der Grund, weshalb Johann Sebastian Bach Silbermanns Orgeln nicht so geschätzt hat wie etwa die von Trost und anderen.

Geboren wurde Gottfried am 14. Januar 1683 in Kleinbobritzsch, sein Geburtshaus steht noch. Nach fast zehnjähriger Abwesenheit kehrte er in seine sächsische Heimat zurück. Als sein erstes Werk erbaute er hier die Orgel in der Frauensteiner Stadtkirche, doch fiel ausgerechnet dieses Werk einem Stadtbrand 1728 zum Opfer, ebenso 1869 eine zweite von ihm errichtete Orgel. Bereits 1714 erbaute er dann seine bedeutendste und größte Orgel, die Orgel im Freiberger Dom, die von Fachleuten als die beste Orgel, die es überhaupt gibt, bezeichnet wird. Insgesamt 45 Orgeln hat man als seine Werke nachweisen können, ganz kleine und ganz große, alle sind sie Meisterwerke. Die einzige Orgel, die an Größe die des Freiberger Domes übertraf, die in der Dresdner Hofkirche, hat er nicht mehr vollenden können, man kann sie nur bedingt als sein Werk bezeichnen. Sie wurde (wie auch die der Dresdner Sophien- und die der Frauenkirche) am 13./14. Februar 1945 zerstört; nur die ausgelagerten Pfeifen konnten gerettet werden. In Freiberg selbst gibt es noch die Orgeln in der Jakobi- und der Petrikirche; die Orgel aus der Johanniskirche ist 1939 auch in den Dom ("die kleine Orgel") überführt worden. In der Umgebung gibt es noch Silbermannorgeln in Oberschöna (1915/16 völlig verändert), Forchheim, Oederan, Helbigsdorf, Großhartmannsdorf, Nassau und Frankenstein; die Orgeln in Conradsdorf, Wegefarth und in der Freiberger Nikolaikirche sind verschollen.

Die ganze Zeit seines Wirkens von 1711 an hat Silbermann in Freiberg gewohnt. Man hatte ihm versprochen, daß er auch nach Abschluß der Arbeiten an der Domorgel "in dem sogenannten Regiments-Hauße" für zwei Jahre würde umsonst wohnen können. Im Jahre 1752 hat er nach dem Freiberger Einwohnerbuch noch im gleichen Haus gewohnt, er hat dafür aber seit 1716 Miete gezahlt. Es ist das Haus Burgplatz 6, an dem die Gedenktafel für ihn angebracht ist. So hat er 42 Jahre lang - bis zu seinem Tode am 4. August 1753 in Dresden - fast ständig in Freiberg gewohnt und gearbeitet.

Er blieb zeit seines Lebens unverheiratet, wohl weil er so sehr mit seiner Arbeit verbunden war. Er wurde dann auf dem Dresdner Johannisfriedhof beigesetzt, sein Grab ist nicht erhalten geblieben. Ein Bild von ihm ist nicht bekannt.

Schon zu seinen Lebzeiten war er hoch geachtet und auch wohlhabend geworden. Manche Auszeichnung hat er erhalten, vor allem war er "Kurfürstlich Sächsischer und Königlich Polnischer Hof- und Landorgelbauer". Man wußte seine Kunst zu schätzen. Viele seiner Gesellen sind ebenfalls berühmte Orgelbauer geworden.

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957