
Karl Bernhard Garve: "Stark ist meines Jesu Hand"
Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler
Sich an den neutestamentlichen Bericht vom sinkenden Petrus anlehnend hat Garve das abgedruckte Lied gedichtet. Wie Petrus vom Versinken gerettet wird, als Jesus ihn bei der Hand nimmt, so sieht der Dichter es als seinen Lebensinhalt an, seines Herrn Jesus Christus' Hand zu halten und ihm allein zu dienen.Karl Bernhard Garve wurde am 24. Januar 1763 in Jeinsen (bei Hildesheim) geboren. Sein Vater war Haushofmeister bei einem Minister, später selbst Beamter des Hannoverschen Königs. Schon von seinen Eltern her ist er in der Frömmigkeit der Herrnhuter Brüdergemeine groß geworden. Dementsprechend verlief seine Ausbildung. Zunächst besuchte er das der Brüdergemeine gehörende Pädagogicum in Niesky, dann das Theologische Seminar in Barby. Schon in dieser Zeit fing er an zu dichten. 1784 fand er eine erste Anstellung an seiner Ausbildungsstätte in Niesky, fünf Jahre später wurde er zum Professor in Barby berufen. 1797 berief ihn die Brüdergemeine zu ihrem Archivar. Dann übernahm er die Predigerstelle an der kleinen Herrnhutergemeinde in Amsterdam, 1801 die im vogtländischen Ebersdorf. Hier erlebte er 1806 den Durchzug der Truppen Napoleons und litt mit seinen Gemeindegliedern unter den Nöten des Krieges. Freundschaftlich war er mit dem Fürsten Heinrich II. von Reuß verbunden. 1810 wurde er nach Berlin berufen. Einen Ruf als Professor für Aesthetik an der neu gegründeten Berliner Universität lehnte er ab. Sein Freund von Brinkmann schrieb ihm darauf: "Drei- und viermal Glücklicher, du, der du dem Predigtamt das Lehramt nachordnest." 1821 ging er nach Neusalz an der Oder. In dieser Gemeinde er viele Jahre im Segen gewirkt. Neben seinem pfarramtlichen Dienst übertrug ihm die Brüdergemeine die Überarbeitung ihres Liturgiebuches, das im Gottesdienst verwendet wurde.
Mit 73 Jahren trat er in den Ruhestand und verlebte seine letzten Jahre in Herrnhut. Hier widmete er sich wissenschaftlichen Werken zur Poetik.1825 erschienen "Christliche Gesänge von Garve" gedruckt. Darin stand auch das abgedruckte Lied. Seine empfindsamen Lieder sind alle von einer innigen Jesusliebe geprägt. Typisch dafür ist auch die dritte Strophe eines Himmelfahrtsliedes, das sich an den biblischen Bericht von Jesu Himmelfahrt anlehnt, in dem es heißt, daß Jesus segnend von seinen Jüngern zum himmlischen Väter aufgenommen wird und doch alle Tage segnend bei uns bleibt ("Ihr aufgehob'nen Jesushände"). Sie lautet: "Ihr zieht mit Gotteskraft die Herzen / zu ihm und an sein Herz hinauf;/ ihr stillt, ihr heilt die Seelenschmerzen,/ ihr helft der Schwachheit mächtig auf;/ ihr brecht den Zwang, der Herzen kettet,/ ihr faßt und stärkt des Pilgers Hand,/ ihr hebt, ihr tragt, und ihr errettet / und führt uns bis ins Vaterland."
Auch das folgende Lied entspricht dieser Frömmigkeit. Sich anlehnend an das bekannte Lied "Jesus, meine Zuversicht" vertraut sich der Dichter ganz Jesu Händen an. Wenn Jesus ihn bei Hand nimmt, dann kann der Verkläger - der Teufel - keine Anklage mehr gegen ihn finden. Aus Jesu Hand kann ihn beim Letzten Gericht dann nichts und niemand reißen.
Stark ist meines Jesu Hand,/ und er wird mich ewig fassen,/
hat zu viel an mich gewandt,/ um mich wieder loszulassen./
Mein Erbarmer läßt mich nicht,/ dies ist meine Zuversicht.
Sieht mein Kleinmut auch Gefahr,/ fürcht ich auch zu unterliegen,/
Christus beut den Arm mir dar,/ Christus hilft der Ohnmacht siegen./
Daß mich Gottes Held verficht,/ das ist meine Zuversicht.
Wenn der Kläger mich verklagt,/ Christus hat mich schon vertreten;/
wenn er mich zu sichten wagt,/ Christus hat für mich gebeten./
Daß mein Bürge für mich spricht,/ das ist meine Zuversicht.
Will mein Herr durch strenge Zucht / mich nach seinem Bild gestalten,/
o so will ich ohne Flucht / seiner Hand nur stille halten./
Dann erschreckt mich kein Gericht;/ das ist meine Zubversicht
Seiner Hand entreißt mich nichts;/ sollt ich ihn mit Kleinmut schmähen?/
Mein Erbarmer selbst verspricht's;/ sollt' ich ihm sein Wort verdrehen?/
Nein, er läßt mich ewig nicht;/ das ist meine Zuversicht.
Inhalt (alphabetisch)
Becker, Cornelius
1561 - 1603
Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)
Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684
David, Christian
1692 - 1751
Eid, Bischof
960 - 1015
Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840
Georg der Bärtige
1471 - 1539
Gerhardt, Paul
1607 - 1676
Gregor, Christian
1723 - 1801
Hahn, Hugo
1886 - 1957