
Bischof Eid von Meißen
Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler
Im Jahre 968 gründete Kaiser Otto I. mit Zustimmung des Papstes das Erzbistum Magdeburg und die ihm unterstellten Bistümer Meißen, Merseburg und Zeitz (später Naumburg). Der erste Meißner Bischof hieß Burchard; aber sein Name ist auch das einzige, was wir von ihm mit Sicherheit wissen. Zweifellos gab es damals im Gebiet der Mark Meißen, die Ottos Vater Heinrich I. gegründet hat, schon etliche Christen, die Mehrheit, vor allem der slawischen Bevölkerung, war aber noch heidnisch. Ihnen war das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen. Die Quellen schließen aus, daß mit dieser Verkündigung Gewaltmaßnahmen verbunden gewesen wären. Otto ging es vielmehr darum, nach der staatlichen Organisation auch eine kirchliche Organisation im Gebiet östlich von Elbe und Saale einzurichten, um die Evangelisierung voranzubringen. In dem von den Deutschen unterworfenen Gebieten waren Burgwarde errichtet worden. Dort lebten deutsche Dienstmannen, denen auch Gottesdienste gehalten wurden. Die Priester haben bei der Berührung mit der slawischen Bevölkerung auch deren Sprache erlernt, um ihr die Botschaft von Jesus Christus sagen zu können. Die Anfänge des Christentums in dem neugegründeten Bistum Meißen waren äußerst bescheiden. Vom Meißner Markgrafen erwartete der Kaiser, daß er dafür sorge, daß "die zu weihenden Bischöfe nicht arm wie Bauern in Magdeburg erschienen", das heißt, sie mußten mit Landbesitz ausgestattet werden, galten doch die Bischöfe seit Otto I. als Reichsfürsten. Die ersten Meißner Bischöfe standen vor schweren Aufgaben. Kirchen gab es in ihrem Bistum so gut wie keine. Den Menschen war die christliche Botschaft zu verkündigen. Wollten sie Christen werden, waren sie zu taufen. Die Getauften mußten in Gemeinden gesammelt werden.
Besser als über Burchard und seinen Nachfolger Volkold sind wir über den dritten Meißner Bischof Eid (oder Eiko) durch die Chronik seines Merseburger Amtsbruders Thietmar unterrichtet.
Eid stammte aus einem reich begüterten Adelsgeschlecht, "hielt das aber in seiner geistlichen Armut für nichtig". Vor seiner Weihe zum Bischof war er in Magdeburg, offensichtlich als Domherr, tätig. Er muß die slawische Sprache fließend gesprochen haben. Das war für seine Tätigkeit in einem vor allem von Slawen besiedelten Gebiet von großem Vorteil. Bei Thietmar wird er als "ein rechtschaffener und gerader Mann" bezeichnet; er schreibt über ihn, daß er sich bemühte, "nach Möglichkeit ein apostelgleiches Leben zu führen." Er kleidete sich sehr bescheiden, außer wenn er die Messe sang, also Gottesdienst hielt. Auch hierauf verzichtete er oft, weil er sich dafür zu unwürdig hielt. Durch häufiges Fasten schwächte er seinen Körper und "nahm es auf sich, barfuß zu gehen". Seine Amtsbrüder hat er offensichtlich damit beschämt: "Uns Altersgenossen mißfiel sein Wandel wegen unserer Verfehlungen, wie ihm der unsere".
Von 992 bis 1015 übte er sein Amt in Meißen aus. "Mehr als 23 Jahre verbrachte er mit unsäglicher Arbeit", "durch Taufen, unablässiges Predigen und Firmen nützte er nicht nicht nur seiner Kirche, sondern auch vielen anderen." Seine eigentliche Arbeit war es, den Slawen, die in seinem Bistum lebten, Jesus Christus zu verkündigen, wobei ihm seine Sprachkenntnisse zuguten kamen. Seine größte Freude war es, eine neue Gemeinde gründen, ein neues Gotteshaus weihen zu können. Höchstwahrscheinlich ist unter ihm auch der Bau des zweiten, romanischen Domes begonnen worden.
Thietmar hebt hervor, daß Eid 1012 zusammen mit ihm und vier weiteren Bischöfen den neuen Magdeburger Erzbischof Walthard salbte. Kurz darauf lag der Erzbischof im Sterben. Eid "bemühte sich in ständigem Gebet redlich um ihn". Auch den im gleichen Jahr ernannten Erzbischof Gero salbte Eid unter Assistenz seiner bischöflichen Amtsbrüder. Er war offensichtlich nicht nur der Älteste, sondern galt auch als der Würdigste unter ihnen.
Sein Werk wurde gefährdet, als die Deutschen 1015 an der Oder eine bittere Niederlage gegen die Polen hinnehmen mußten. Kaiser Heinrich II. sandte Bischof Eid, um mit Erlaubnis des polnischen Herzogs den erschlagenen deutschen Soldaten ein Begräbnis zu verschaffen bzw. um die Herausgabe des ebenfalls gefallenen Markgrafen Gero zu bitten. Den Auftrag des Kaisers konnte er erfüllen, die toten Soldaten bestatten und die Leiche des Markgrafen nach Meißen überführen. Noch einmal wurde der Bischof zu den Polen als Verhandlungsführer entsandt; was dabei herausgekommen ist, wissen wir freilich nicht. Wenig später, als er unterwegs war, um dem Kaiser zu berichten, erkrankte Bischof Eid. Am 20. Dezember 1015 ist er in der Burg Leipzig ("in urbe Libzi") gestorben. (Diese Nachricht in Thietmars Chronik ist übrigens die erste Erwähnung von Leipzig!) Bischof Hildeward von Zeitz geleitete den toten Amtsbruder nach Meißen, um ihn in dem noch im Bau befindlichen Dom am Altar beizusetzen.
Offensichtlich bangte Eid vor seinem Tod um den Fortbestand seines Bistums, denn als er seinen Tod nahen fühlte, ordnete er an, ihn nicht in Meißen (sondern in Colditz) zu begraben, doch hat man diese Bitte nicht erfüllt. Offensichtlich erhoffte der Meißner Markgraf Hermann die himmlische Fürbitte des Verstorbenen zum Schutz für das Bistum und die Markgrafschaft.
Thietmar berichtet, daß nach seinem Tod eine Magdeburger Nonne ihn in einer Verzückung neben zwei Magdeburger Erzbischöfen in der Umgebung von Maria gesehen hat. Mag manches, was über ihn berichtet wird, auch Legende sein, so wird doch aus dem Berichteten ersichtlich, welch tiefen Eindruck die Persönlichkeit dieses Meißner Bischofs bei seinen Zeitgenossen hinterlassen hat.
Inhalt (alphabetisch)
Becker, Cornelius
1561 - 1603
Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)
Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684
David, Christian
1692 - 1751
Eid, Bischof
960 - 1015
Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840
Georg der Bärtige
1471 - 1539
Gerhardt, Paul
1607 - 1676
Gregor, Christian
1723 - 1801
Hahn, Hugo
1886 - 1957