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Mittwoch, 8. September 2010
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Chemnitz, 28.02.2010

Luther und die Juden

Vortrag von Peter von der Osten-Sacken (Berlin)

Ein sehr interessantes und doch heikles Thema, zu dem das Evangelische Forum im Rahmen der "Tage der Jüdischen Kultur" am Donnerstag, dem 25. Februar eingeladen hatte. Dementsprechend war auch die Zahl der Besucher, die den Weg in die Theaterstraße 25 genommen hatten. Es blieb kein Platz frei.
Auf die Frage nach Luthers Judenfeindschaft sollte dieser Vortrag eine historisch und theologisch differenzierte Antwort geben.

Luthers HMartin_Luther_3altung gegenüber Juden war in seinem Leben zwiespältig und wankelmütig. Noch zwischen 1513 und 1516 warf er den Juden "Unbußfertigkeit und Selbstgerechtigkeit" vor. Doch nachdem er sich mit dem Römerbrief und der Theologie von Paulus intensiv auseinandergesetzt hatte, änderte er seine Meinung gegenüber den Juden. Durch zwei biblische Aussagen (Verheißung des Heils für das ganze jüdische Volk und Jesu Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe) glaubte er, dass man " Brüderlich mit den Juden handeln solle". 
Doch sollte dabei nicht übersehen werden, dass Luther nur deshalb "Judenfreundlich" geworden war, um diese für das Christentum zu gewinnen.
Sein Verhalten den Juden gegenüber war also nicht ganz ohne Hintergedanken. Allerdings ließen sich die Juden nicht so leicht "bekehren". Und so warf er ihnen nach erfolgloser Missionierung vor: "Wer beharrlich der Wahrheit des Evangeliums die Anerkennung verweigert, der ist von bösem Willen beseelt." In späteren Jahren hat Luther sogar dafür plädiert "alle Juden zu vertreiben". Er gebot, Synagogen und Schulen von Juden in Brand zu stecken, ihre Häuser zu zerstören und ihnen den Talmud wegzunehmen, welches er ohnehin nur als ein Buch "voller Lügen und Verdrehungen" ansah.

Es stellt sich nun die Frage: Was hat in Luther diesen Wandel erzeugt und seinen maßlosen Judenhass ausgelöst? War es nur die Enttäuschung darüber, dass seine Missionsversuche misslungen waren?
Es ist nicht so einfach dafür eine Erklärung zu finden. Jedoch sind sich viele Forscher inzwischen einig, dass sich gar kein Wandel in Luthers Judenbild vollzogen hat. Es ging ihm ja nie um die Toleranz der Juden als Juden, sondern um die Missionierung der Juden und dem Schutz des wahren Evangeliums vor den jüdischen "Irrlehren". Gewandelt haben sich lediglich seine Mittel mit denen er beides anstrebte. Das Schwinden der Hoffnung, die Juden zu "bekehren" und ein persönliches Zusammentreffen mit zwei jüdischen Theologen war wohl der Ausschlag für die Abkehr von der Toleranz gegenüber den Juden.

Peter von der Osten-Sacken hat diese These mit dem Verweis auf die Quellen von Luthers späten Judenschriften untermauert. Der Reformator sei stark von den polemischen Schriften jüdischer Konvertiten beeinflusst worden, die vor der Verstocktheit und Schädlichkeit des Judentums warnten.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden von ihm noch weitere Fragen zum Thema "Luther und die Juden" beantwortet.

Autor: Petra Habelt

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