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Chemnitz, 06.03.2012

Friedenstag in Chemnitz

In der Nacht vom 5. zum 6. März vor 67 Jahren erlebte Chemnitz ein Inferno, das die Stadt und ihre Menschen in ein Chaos stürzte, von dem sie sich nur langsam und mit großen Anstrengungen wieder erholten.  

80% der Innenstadt waren durch die Angloamerikanischen Bomben in Schutt und Asche gelegt. Viele der Überlebenden hatten all ihr Hab und Gut verloren. Sie besaßen nur noch das, was sie am Leibe trugen. Chemnitz war für „TOT“ erklärt worden.

  Friedenstag_1

Damit sich so etwas nie wiederholen kann, damit wir und die nächsten Generationen weiterhin in Frieden leben können und den Opfern von damals zu gedenken, deshalb sind wir gestern die Friedenswege gegangen. Von verschiedenen Treffpunkten in der Stadt, zogen die Menschen mit Kerzen in den Händen zum Chemnitzer Neumarkt, um an der Friedenskundgebung teilzunehmen.

  Friedenstag_2

Auf dem Weg von der Kirche in die Innenstadt wurde ich dann ungewollt Zeugin eines Telefongesprächs. Eine junge Frau äußerte ihren Unmut darüber, dass sie mit dem Bus wegen der gesperrten Straße nicht bis in die Innenstadt fahren konnte und ein Stück laufen musste.

 „Die demonstrieren hier. Irgendwas gegen Nazis. Können die das nicht einfach mal vergessen?“

V E R G E S S E N ?

Vielleicht würde die junge Frau anders denken, wenn sie das damals selbst miterlebt hätte? Ich stelle mir vor, wie sie diesen selben Weg am 6. März 1945 gegangen wäre. Der Nahverkehr war völlig lahm gelegt und auch zu Fuß wäre sie wohl kaum so flott vorwärts gekommen. Überall türmten sich Schutthaufen aus Mauerresten und verbranntem Hausrat, oder klafften riesige Bombentrichter. Kinder irrten umher und suchten ihre Mütter. Mütter suchten nach ihren Kindern.

Der mörderische Krieg, den Hitlerdeutschland begonnen hatte, war nun mit aller Gewalt in die deutschen Städte zurückgekehrt.

Das alles vergessen?  

N I E M A L S !

Friedenstag_3 

Auch ich gehöre der Generation an, die im Frieden geboren wurde und einen Krieg am eigenen Leibe nicht miterleben musste. Ich kenne die Geschehnisse dieser Bombennacht (glücklicherweise) nur aus den Erzählungen meiner Mutter. Aber damit sich so etwas niemals wiederholen kann, müssen wir  Augen und Ohren offen halten und auch die zukünftigen Generationen dafür sensibilisieren. Deshalb gibt es seit vielen Jahren den „Chemnitzer Friedenstag“. Er soll den Toten von damals gewidmet und den Lebenden eine Mahnung sein.

 Friedenstag_4

Fotos:1,2, Foto Fuchs (Sammlung Petra Habelt)
         3 - 8 Petra Habelt


 

 

 

Autor: Petra Habelt

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