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Mittwoch, 14. November 2018
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Der bestgehaßte Lutheraner seiner Zeit: Matthias Hoe von Hoenegg

Von Prof. Dr. Karl-Hermann Kandler

Erfahrungen in seiner Kindheit machten Matthias Hoe schon früh zum Verteidiger des Luthertums gegen Jesuiten und Calvinisten.
Geboren 1580 als Sohn eines kaiserlichen Rates lutherischer Konfession wuchs er in einer konfessionell erregten Zeit in Wien auf. Erzbischof Khlesl hat sich so um ihn bemüht, daß er heimlich die Firmung empfing. Wegen der Türkengefahr wurde er 1594 nach Speyer auf das Gymnasium geschickt, das von Reformierten (Calvinisten) geführt wurde. 1597 begann er sein Jura- und Theologiestudium in Wittenberg, 1602 wurde er ordiniert, 1604 promoviert.
Schon vor seiner Promotion trat er in einer Streitschrift dem berühmten Jesuiten Robert Bellarmin entgegen. Deshalb fürchtete er sich, nach seinem Studium nach Österreich zurückzukehren. Durch Vermittlung seiner Professoren erhielt er 1602 die Stelle eines 3. Hofpredigers am Dresdner Hof. Hier war er neben seinen geistlichen Aufgaben literarisch tätig. Dabei standen ihm die Bedrängnisse seiner Glaubensgenossen in Oesterreich stets vor Augen. Sein Evangelisches Handbüchlein wider das Papsttum ist in zahlreichen Auflagen bis 1871 erschienen. Der Jesuit Jakob Reihing wollte ihm entgegnen, wurde aber durch Hoes Schrift so von der Wahrheit des reformatorischen Glaubens überzeugt, daß er zur lutherischen Kirche übertrat.
In Dresden gewinnt Hoe das Wohlwollen des Kurfürstenpaares, obwohl er durch die "freimütige Schärfe" seiner Predigten auffiel. Dieses Wohlwollen erregte Neid, Hoe galt als eitel. 1603 wurde er Superintendent in Plauen. Er bezeugt seiner Gemeinde: "Ihr seid meine Ehre und Freude, meine Krone und Ruhm, ihr seid mir ins Herz geschrieben."
Als 1609 in Böhmen die evangeliumsgemäße Predigt erlaubt wird, übernimmt Hoe die Aufgabe, die lutherische Kirche aufzubauen, muß sich dabei aber jesuitischer Angriffe erwehren. Nach vier Jahren kann er Prag erfolgreich verlassen, um in Dresden das neugeschaffene Amt eines Oberhofpredigers anzutreten. Damit trat er das damals bedeutendste geistliche Amt im deutschen Luthertum an.
Als der brandenburgische Kurfürst zur reformierten Kirche übertrat, wandte sich Hoe scharf gegen den Calvinismus, vor allem gegen den Berliner Hofprediger Scultetus, der in Brandenburg eine "zweite Reformation" durchführen wollte. Hoes Schrift "Triumphus Calvinisticus" muß als anticalvinistisches Standardwerk gelten. Ihm ist es mit zu verdanken, daß trotz der Konversion des Kurfürsten Brandenburg lutherisch blieb.
Nach dem berühmten Prager Fenstersturz 1618 wurde nicht der sächsische, sondern der reformierte Kurfürst der Pfalz zum böhmischen König gewählt. Als "bestgehaßter Lutheraner seiner Zeit", als "Papst des Kurfürsten" verunglimpft, meint Hoe, daß man "lieber mit den Papisten Gemeinschaft haben und gleichsam mehr Vertrauen zu ihnen tragen soll denn zu den Calvinisten". So verband sich Sachsen mit dem Kaiser gegen die Böhmen. Hoe erhielt vom Kaiser die Würde eines Pfalzgrafen verliehen. Nach dem Sieg des Kaisers 1620 über die Böhmen blieben nur kurz die deutsch-lutherischen Kirchen unbehelligt. Hoe wandte sich darum scharf gegen die jesuitische Gegereformation und ermahnt die Böhmen, lieber "alles dahinten zu lassen", als die "abscheuliche katholische Lehre" anzunehmen.
Seine Stellung als sächsischer Oberhofprediger war verbunden mit dem Vorsitz bei den deutschen lutherischen Theologenkonventen, wo man versuchte, Lehrfragen zu klären. Diese Aufgabe hat Hoe, wie sein schriftlicher Nachlaß zeigt, sehr ernst genommen. Dem Kaiser, der die Kirche der Reformation verfolgte, wurde nun der Gehorsam verweigert. Damit wurde das Recht auf Widerstand gegen ihn begründet und der Eintritt in den Dreißigjährigen Krieg auf Seiten Schwedens befürwortet, denn "die Feinde Gottes" wollen "uns Evangelische überwältigen und mit List den Garaus machen". Jetzt verbündete man sich mit den reformierten Fürsten, um "wie ein Mann wider das Papsttum zu stehen". Aber als es 1634 darum geht, auch die Reformierten in den Augsburger Religionsfrieden von 1555 aufzunehmen, schreibt Hoe: "Das ist wider Gott und das Gewissen." Diese sind empört. 1635 erscheint Hoes letzte Streitschrift, in der er die reformierte Unterwanderung des Luthertums beklagt.
In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Hoe ganz seinem Amt und einer Auslegung der Offenbarung. Aus seinen Predigten wird ersichtlich, wie sehr er den Zustand Sachsens im Dreißigjährigen Krieg beklagt. Am 4. März 1645 ist er in Dresden gestorben und in der Sophienkirche bestattet worden.
Hoes Leben und Wirken ist ein markantes Beispiel für das Verhältnis der Kirchen im 17. Jahrhundert zueinander. Aus Liebe zu seiner Kirche verteufelte er andere Christen. Das entsprach nicht dem Gebet Jesu, daß sie alle eins seien in der Wahrheit.

Inhalt (alphabetisch)

 

Becker, Cornelius
1561 - 1603

Bischof Benno von Meißen
1040 - 1105 (zirka)

Clausnitzer, Tobias
1618 - 1684

David, Christian
1692 - 1751

Eid, Bischof
960 - 1015

Garve, Karl Bernhard
1763 - 1840

Georg der Bärtige
1471 - 1539

Gerhardt, Paul
1607 - 1676

Gregor, Christian
1723 - 1801

Hahn, Hugo
1886 - 1957