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Annaberg-Buchholz, 16.08.2002

Die Bücher der Mönche

Ein Fünftel der Gemeindebibliothek von St. Annen stammen aus Franziskanerkloster

Es ist, als streift der Hauch des Mittelalters durch den Versammlungsraum im Haus der Kirche: Von den hohen steinernen Wänden des Franziskanerklosters hallen sakrale Gesänge, in der Kirche treffen sich barfüßige Mönche zum Gebet. Nicht weit davon befindet sich die Klosterbücherei mit dem gebündelten Wissen von Gelehrten… All das assoziieren die fünf Bücher, die der Verwaltungsleiter der Kirchgemeinde von St. Annen, Martin Lange, kurz vor dem Klosterfest für "Freie Presse" auf den Tisch gelegt hat. Es ist ein besonderer Augenblick, denn bislang wissen nur einige Kirchenmitarbeiter, dass etwa ein Fünftel der Kirchgemeinde-Bibliothek aus dem Kloster stammt, für das 1502 der Grundstein gelegt wurde, und von dem nur noch ein paar Mauern stehen.

Sie flößen Ehrfurcht ein, die verwitterten Werke mit den unterschiedlich geprägten Einbänden aus Pergament, Schweins- oder Kalbsleder. Manche sind zusätzlich mit einer metallenen Schließe gesichert, die Titel - ellenlang und so wie der Inhalt in Latein geschrieben. Unter den Autoren befinden sich berühmte Namen wie Aristoteles, Augustinus Aurelius und Cicero. Alle Bücher haben übrigens auf der Rückseite des Einbandes ein Loch, weil sie einst angekettet waren. Sie stellten bereits damals einen Wert dar, denn Papier war kostbar, wurde aufwändig hergestellt und war daher nicht, wie heutzutage, ein Wegwerfprodukt. Viele der Kostbarkeiten weisen im Inneren Benutzerspuren auf - Wer wird sie wohl geschrieben haben? Mönche oder viel später Schüler der Annaberger Stadtschule?

Denn die so düster ausschauenden Bände sind Reisende. Nach der Reformation, als auch die Sterbestunde für das Franziskanerkloster in Annaberg schlug, wurde die Bibliothek 1539 dem Stadtrat übergeben. Dieser wiederum trat sie 1540 an die Stadtkirche St. Annen ab und sorgte dafür, dass die Sammlung 1558 in die Annaberger Stadtschule, eine Lateinschule, kam. Der Bestand wurde durch intensives Sammeln immer größer.

1627 kehrte die Bücherei in die Kirche zurück, befand sich dann noch einmal in der Schule. Die Wirren des Zweiten Weltkrieges überstand sie im Rathaus und gelangte danach wieder in die Hand der Kirchgemeinde. Die historische Bibliothek von St. Annen stellt in ihrer Gesamtheit - die Klosterbücherei eingeschlossen - ein bedeutendes Kulturgut aus der Zeit des ausgehenden Mittelalters, des aufblühenden Humanismus und der Reformationszeit dar, das an dezentralem Standort nach der Zwickauer Ratsschulbibliothek in Sachsen kaum noch einmal anzutreffen ist.

Weil sich die Kirchenverwaltung im Klaren darüber ist, welchen Schatz sie besitzt, wurden die Aufbewahrungsräume neu hergerichtet sowie den klimatischen und sicherheitstechnischen Erfordernissen angepasst. Alle 1300 Bücher sind kürzlich von ABM-Kräften überprüft und gesäubert worden, die schweins- oder kalbsledernen Einbände der Frühdrucke aus dem Kloster erhielten eine Sonderbehandlung mit Vaseline. Trotzdem sind sie allesamt restaurierungsbedürftig, doch das kann allein mit Kirchengeldern nicht bestritten werden.

Es war ein kurzer Blick in längst vergangene Zeit - auch künftig steht die Kirchenbibliothek von St. Annen ausschließlich der wissenschaftlichen Nutzung durch die Staats- und Landesbibliotheken zur Verfügung. Hergeben wollen sie die Annaberger auf keinen Fall: "Gerade die Bücher aus dem Kloster sind durch ihren regionalen Bezug für uns von besonderem Wert. Woanders würde man sie nie so schätzen können."

(Quelle: Freie Presse Online)

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